…schuf sie als Mann und Weib

von worduncompress

      Als vor etwas mehr als 2.000 Jahren die Tora (christlich: das alte Testament) seine endgültige Form erhielt, hat eine Gruppe von jüdischen Priestern aus vielen vorhandenen Texten das ausgewählt, was ihnen am besten in den Kram gepaßt hat. Das gleiche hat einige hundert Jahre später eine Gruppe christlicher Priester mit dem neuen Testament getan. In beiden Fällen wurden viele, damals wohlbekannte und wichtige Texte einfach unterschlagen und aus dem spärlichen Rest alles getilgt, was auf den Inhalt dieser Erzählungen hinwies. So kommt es, daß die wirkliche Geschichte hinter all den verfälschten, überlieferten Schriften nur noch mühsam wieder zu entdecken ist.

      Die Ḫabiru (d.h. Vagabunden), die in der Zeit nach etwa 1.500 vor unserer Zeitrechnung, nach einigen Naturkatastrophen, in der Gegend zwischen Ägypten, Balkan und Mesopotamien herumirrten, fanden um 600 vor Christus in der Gegend von Jerusalem eine Schrift, die später als fünftes Buch Mose bekannt werden sollte. Fortan nannten sie sich Hebräer und stückelten sich aus vorhandenen Überlieferungen eine Geschichte ihres Stammes zusammen, die niemals so geschehen ist, wie wir sie in Form der Tora heute vorfinden. Das Ganze ist schwierig zu durchschauen, da die meisten Fragmente, aus denen die Geschichte zusammengesetzt wurde, auf wahren Begebenheiten beruhen. Kopieren hat eben eine lange Tradition und die Entwicklung der Menschheit wäre auch ohne dies nicht so schnell und so weit vorangeschritten.

      Bei der Herstellung ihrer eigenen Geschichte sind den Ḫabiru einige Fehler unterlaufen, möglicherweise sogar absichtlich. Spätere Übersetzer und Interpretatoren haben immer wieder versucht, diese Fehler auszumerzen.
Das althebräische Wort Adam bedeutet in erster Linie Mensch, erst später wurde es in der Bedeutung Mann und als Name verwendet. Wenn Genesis 1.27 uns sagt: „Gott (Elohim) schuf den Menschen zu seinem Bilde… und schuf sie als Mann und Weib“, dann ist der Mensch hier noch ein geschlechtsloses Wesen, mit der Möglichkeit weiblich und männlich zu sein.
In Genesis 2.7 „machte Gott der Herr (Jahwe Elohim) den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase.“ Und in 2.18 sprach Jahwe Elohim: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe schaffen als sein Gegenüber.“ Dann folgt die Geschichte mit der Rippe.
Was sagt uns das? Elohim ist die Vielheit in der Einheit und der Ursprung von allem. Jahwe Elohim gehört wie auch ElHaSatan (der Widersacher) zu den Bene Elohim, den Söhnen der Götter, der zweiten Generation.
Die Elohim-Version, in der der Mensch gleichzeitig als Mann und Weib erschaffen wird, stammt aus einer früheren Quelle. Die ersten Menschen, Lilith und ihr Gefährte, waren gleichgestellt. Erst mit Beginn der Seßhaftigkeit stellte sich ein Ungleichgewicht ein. Die Frau und Mutter, die Hüterin der Familie, wurde Besitzerin des Bodens und mit der Vererbung an die Töchter entstand das Matriarchat.
Die zweite Version beginnt erst Jahrtausende später, nachdem Adam Liliths überdrüssig geworden war, und endet, mit der Erschaffung der demütigen Gehilfin Eva (als Sklavin) für den Adam, im Patriarchat. Und auf dieser Entwicklungsstufe stecken wir seit 3.000 Jahren fest.

      Jemand, der die Ausgangs- und die Zielsprache perfekt beherrscht, kann trotzdem keine korrekte Übersetzung anfertigen, wenn er nicht die Bedeutung der Geschichte selbst erfahren hat. Und ich bin überzeugt davon, daß die Ḫabiru-Priester, die die ersten Fassungen zusammengestellt haben, geschweige denn alle späteren Übersetzer, nicht mal annähernd die gleichen Erfahrungen gemacht hatten, wie die Autoren der Geschichten, die sie da verwendet und übersetzt haben.

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