Die Inthronisierung König Mammons

von worduncompress

      Lange vor dem ersten Aufdämmern des einfachsten Zeitbegriffs, der die Grundlage jeder geschichtlichen Betrachtung bildet, zogen die Primaten hunderttausende von Jahren als Jäger und Sammler durch Wälder und Savannen. Eigentum in unserem heutigen Sinne gab es bei den umherziehenden, dreißig bis fünfzig Mitglieder zählenden Gemeinschaften noch nicht. Um ihrer lebensnotwendigen Hauptbetätigung, der Nahrungsbeschaffung, nachzu-kommen, konnten sie nicht mehr persönlichen Besitz anhäufen, als sie bei sich tragen konnten.

      Als vor etwa 12.000 Jahren in Mesopotamien, Ägypten, im Industal und an einigen anderen Orten der Welt der Ackerbau entdeckt wurde, wurde damit der Grundstein für die Vorratshaltung und damit für die Entwicklung eines Zeitbegriffs von Vergangenheit und Zukunft aus der vorher eher unbewußten Intuition einer Vergänglichkeit geschaffen. Die Menschen wurden seßhaft und gründeten Dörfer und Städte mit hunderten bis zu tausenden von Einwohnern. Die Häuptlinge vergangener Zeiten, die integraler Bestandteil der Gemein-schaften waren, wurden Könige, die nicht mehr der Nahrungsbeschaffung nachgehen mußten, sondern von der Bevölkerung mit allem versorgt wurden, was sie benötigten, um ihren Regierungsgeschäften nachzugehen.

      Ähnliche Entwicklungen fanden parallel dazu auf der mentalen Ebene statt. Aus der anfänglich zyklischen Zeitwahrnehmung von Entstehen und Vergehen, entstand die für uns heute selbstverständliche lineare Zeit, die es ermöglichte Eigentum und Schuld anzuhäufen. Aus der, in den vergangenen zehntausenden von Jahren, immer komplexer werdenden Sprachstruktur entwickelte sich vor etwa 9.000 Jahren die erste Erkenntnis, ein von der Gemeinschaft getrenntes Individuum zu sein, die schließlich vor ca. 3.000 Jahren in der endgültigen Inthronisierung des Ego gipfelte.

      Und damit begann das Unglück, das uns möglicherweise in den Untergang führen wird. Die ersten Könige wurden, als Gefährten der Großen Mutter, noch rituell geopfert, da sonst, wie man glaubte, das Leben selbst versiegen würde. Doch schon kurze Zeit danach, kamen die Könige auf die Idee ihre Untertanen davon zu überzeugen, daß es ausreicht einen Stellvertreter zu opfern. Nicht bewußt war ihnen dabei, daß sie damit die Grundlagen für Kriege, Mord und Massenvernichtung gelegt hatten.

      Im selben Zeitraum fand noch eine weitere bedeutende Veränderung statt. Während es zu Urzeiten noch keine ausgeprägten Geschlechterrollen gab, bis auf die natürliche Tatsache, daß die Frauen die Kinder bekommen, bekam die Kultur zu Beginn der Seßhaftigkeit eine matrische Prägung, die mit den Anfängen der Ego-Entwicklung um die Zeit vor 6.000 Jahren durch eine patrische erweitert und in der Stabilisierungsphase des Ego vor 3.000 Jahren völlig von dieser verdrängt wurde.

      Nach der Abschaffung ihrer eigenen Opferung erfanden die Könige das Geld, um ihre Untergebenen noch besser ausbeuten zu können. Ihre Stellvertreter, die Priester, nahmen in eigens dazu erbauten Tempeln die Opfer der Bevölkerung entgegen. An dem ganzen System hat sich im Laufe der Jahrtausende nicht viel geändert. Das Königreich heißt jetzt Staat, König und Hofstaat Präsident / Kanzler und ReGIERung, Opfer heißen Steuern, die Priester Banker und die Tempel sind die Banken. Und der Gott-König, den die Herren und Sklaven anbeten, ist Mammon.

      Der Mensch braucht sichtbare Götter, weil er vergessen hat, daß er selbst Gott ist. Solange wir nicht erkennen, daß das Ego sterben muß, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, werden wir sowohl psychologisch als auch politisch Sklaven bleiben.

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